52 kreative Wochenenden?

Man kann aber auch mal was ande­res machen. Eine ganz per­sön­li­che Rezension.

Irgend­wie kam mir schon öfter der Gedanke meine Mei­nung über Bücher, die ich gele­sen habe zu schrei­ben. Doch habe ich mich immer gefragt, ob es über­haupt jeman­den inter­es­siert, was ich dar­über denke. Doch wurde der Drang dies­mal stär­ker und ich gab ihm hier­mit nach.

Das Buch, um das es geht, habt Ihr ja oben sicher bereits bemerkt “Krea­tive Foto­gra­fie” von Chris Gat­cum aus dem Markt&Technik-Verlag.

Warum ich mir das Buch gekauft habe

Ich bin schon eine ganze Weile auf der Suche nach Infor­ma­tio­nen, die mir als Inspi­ra­ti­ons­quelle neue und andere Wege auf­zei­gen, wie ich der Foto­gra­fie für mich einen grö­ße­ren Krea­ti­vi­täts­spiel­raum abge­win­nen kann. Etwas ein­fa­cher aus­ge­drückt: ich suche eine neue Mög­lich­keit mich mit Foto­gra­fie aus­zu­drü­cken und möchte nicht auch noch die vie­len Trends nach­ah­men.
HDR-, Panorama-, Beauty-, Street­fo­to­gra­fie. Alles Begriffe, die im Moment sehr aus­ge­schlach­tet wer­den. Hier­bei wirk­lich etwas neues und krea­ti­ves auf die Beine zu stel­len, ist nicht einfach.

Im Inter­net wird man zwar immer fün­dig, aber trotz­dem war es immer wie­der das glei­che. Also doch wie­der bei gedruck­tem Papier und prompt auch bei die­sem Buch gelan­det. Beschrei­bung und Leser­re­zen­sio­nen ver­spra­chen durch­aus eine Rich­tung, die mir zusagte. Der Unter­ti­tel sug­ge­riert gleich­zei­tig, dass man auch in kur­zer Zeit bestimmte Bild­kon­zepte umset­zen könnte.

Rauchaufnahmen

Okay, bei dem Preis über­legte ich dies­mal nicht lange, bestellte, hielt den Schmöcker schon bald in den Hän­den und…war erst ein­mal enttäuscht.

Die Erwar­tung

Ich bin heute nicht mehr sicher, was ich wirk­lich erwar­tet hatte, doch wollte ich daran glau­ben, dass ich 52 “reine” Foto­pro­jekte vor­fin­den würde. Nicht unbe­dingt gleich völ­lig neues, aber zumin­dest Anre­gun­gen selbst ein­mal über Unge­wöhn­li­ches zu Neuem zu gelangen.

Pus­te­ku­chen.
Außer einem Dut­zend wirk­li­cher Foto­pro­jekte ent­hält das Buch vie­les, was ich jetzt nicht unbe­dingt gebrau­chen konnte. Im ers­ten Moment.
Doch beim zwei­ten und drit­ten Stö­bern darin, halte ich es schon nicht mehr kom­plett für Geldverschwendung.

Die Auf­ma­chung

Erst ein­mal vor­weg, wer­den die Inhalte — tat­säch­lich auf­ge­teilt und num­me­riert in 52 “Ein­zel­pro­jekte” — kom­pakt und ver­ständ­lich auf­ge­führt. Die Beschrei­bun­gen der Pro­jekte sind über­sicht­lich und ver­lie­ren sich nicht in all­zu­viel Geplänkel.

Lei­der habe ich auf­grund der anfäng­li­chen Frus­tra­tion noch kei­nes der Pro­jekte prak­tisch umge­setzt, daher kann ich nicht beur­tei­len, ob man damit auch tat­säch­lich klar­kommt. Aber man bekommt anhand der guten Zusam­men­stel­lung aus Text und Bild einen posi­ti­ven Ein­druck, dass das klap­pen müsste.

Zudem sind die ein­zel­nen Pro­jekte in vier grö­ßere The­men­be­rei­che ein­ge­teilt, was die Aus­wahl nach Inter­esse und Vor­lie­ben ein­fach macht. Da auch kein Pro­jekt direkt auf dem ande­ren auf­baut, kann man sich belie­bige Dinge raus­pi­cken und loslegen.

Die ein­zel­nen Abschnitte ent­hal­ten neben der eigent­li­chen Beschrei­bung, eine Art Stück­liste, den Schwie­rig­keits­grad und zusätz­li­che Tipps für Wei­ter­ent­wick­lun­gen oder Alter­na­ti­ven. Die Bau­an­lei­tun­gen sind durch ent­spre­chende Bil­der unter­mau­ert, was unter Umstän­den hilf­reich sein kann.

Die Pro­jekte

Alles in allem sind die Pro­jekte auf jeden Fall inter­es­sant und bie­ten durch­aus auch Spiel­raum für eigene Expe­ri­mente. Den­noch sind gut die Hälfte für mich nichts neues.

Im Gegen­teil, hätte man sich die Kapi­tel z.B. über HDR und Multi-Shots spa­ren kön­nen. Dazu reicht es, diese Begriffe bei Google ein­zu­tip­pen und schon wird man erschla­gen mit Inhal­ten dazu. Gerade bei die­sen Trend-Dingern wie HDR & Co. wird hier alles viel zu knapp gehal­ten, als dass man dazu aus­rei­chend infor­miert würde — was im übri­gen auch auf einige andere im Buch behan­del­ten The­men zutrifft.

Pro­jekte, wie Trop­fen oder Rauch foto­gra­fie­ren ist da schon inter­es­san­ter, wenn­gleich man dies eben­falls woan­ders sicher auch fin­det. Den­noch ist die Beschrei­bung sehr gut, da man sich hier wirk­lich auf die Details die­ser Tech­nik kon­zen­triert und sehr schnell ein brauch­ba­res Ergeb­nis vor­her­ge­sagt wird.

Alles in allem ist der Bas­te­l­an­teil aller Pro­jekte ziem­lich hoch. Dazu erscheint es mir, dass durch­aus fin­ger­fer­tige Geschick­lich­keit dahin­ge­hend ver­langt wird. Sich ein brauch­ba­res Tilt-Objektiv zu bauen oder eine Holga tech­nisch zu ver­bes­sern, soll­ten sich schon ein­ge­fleischte Hobby-Heimwerker zutrauen.

Zu letz­te­rem bin ich dazu schon ein wenig rat­los. Hier wird tat­säch­lich beschrie­ben, wie man auf chir­ur­gi­sche Weise eine Holga so pimpt, dass die Auf­nah­men bes­ser wer­den. Auf der ande­ren Seite jeder Lomo­graph gerade wegen der uner­war­te­ten Ergeb­nisse und der schlech­ten Qua­li­tät der Bil­der diese Kame­ras zu schät­zen weiss.
Zumal dabei auch noch durch­aus kost­spie­lige Ana­log­filme ver­schwen­det wer­den müssen.

Doch, ich bin selbst ein gro­ßer Fan der ana­lo­gen Foto­gra­fie, obwohl ich (im Moment) dazu keine Muse hätte. Den­noch erschließt es mir eben­falls nicht, warum ich bei­spiels­weise durch eine zweiäu­gige Analog-Spiegelreflex in müh­sa­mer Kom­bi­na­tion mit einer digi­ta­len Kamera “grungy” Vintage-Bilder schie­ßen soll, wenn ich mit Hilfe von Brus­hes und Tex­tu­ren in Pho­to­shop oder fast jedem ande­ren Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm so etwas viel leich­ter haben kann. Und der Betrach­ter vor allem den Unter­schied gar nicht mer­ken würde.

Des­wei­te­ren ist nichts gegen ein kos­ten­güns­ti­ges DIY–Equip­ment zu sagen, wenn man nur gele­gent­lich ein wenig Studio-Fotografie betrei­ben möchte. Wer ernst­haft mit dem Gedan­ken spielt häu­fi­ger Studio-Aufnahmen zu machen sollte sich lie­ber bei schon recht preis­wer­ten Einsteiger-Kombinationen (Blitze, Soft­bo­xen, etc.) umschauen. Ich zweifle näm­lich daran, ob Kos­ten und Auf­wand einer Baumarkt-Softbox gegen­über einer preis­wer­ten “Alter­na­tive” für den Hob­by­be­darf im guten Ver­hält­nis steht.

Etwas mehr Augen­merk von mir beka­men in der Tat sol­che The­men wie “Alte Objek­tive” oder “Krea­tive Bokehs”, was aber daran liegt, dass ich alte Objek­tive auf D-SLR der­zeit sehr inter­es­sant finde.
Hier ist der Bei­trag zwar ver­hält­nis­mä­ßig kurz, aber ent­hält genü­gend Infor­ma­tio­nen, um in die­sen Bereich einzusteigen.

TIPP: Zu die­sem spe­zi­el­len Thema (alte Objek­tive und M42) wird es bald hier auch einen eige­nen Bei­trag geben.

Den­noch blei­ben von allen 52 Pro­jek­ten (sofern man diese durch­weg so bezeich­nen kann) nur eine Hand­voll wirk­lich inter­es­san­ter Ansätze für mich übrig. Womit ich hier­für wahr­schein­lich im Inter­net eben­falls und umfas­send fün­dig werde.
Nichts­des­to­trotz soll mein Fazit nicht allzu ver­nich­tend ausfallen.

Tilt-Objektive

Fazit

Für mich ganz per­sön­lich ist das Buch im Hin­blick auf die Wün­sche und Erwar­tun­gen eher bedingt brauch­bar.
Einige wenige Pro­jekte regen durch­aus auch dazu an, ähnli­che Sachen zu pro­bie­ren und neh­men damit die Hem­mun­gen oder Bedenken.

Was das Buch mir wie­der zeigte — und das ist für mich die Quint­es­senz die­ses Buches — ist zu erken­nen, dass man mit ein­fa­chen Mit­teln und ein wenig Expe­ri­men­tier­freude durch­aus inter­es­sante und krea­tive Pro­jekte durch­füh­ren kann.
Doch dazu muss ich nun wie­der erst ein­mal selbst die Denk­mütze aufziehen.

Das Buch sei jedoch beson­ders den inter­es­sier­ten Fotografie-Laien bzw. –Ein­stei­gern emp­foh­len, die in unter­schied­li­che Berei­che schnup­pern wol­len, auf die man als Foto­neu­ling oder Gele­gen­heits­knip­ser nur sel­ten selbst kommt.

Zum Bei­spiel, wenn man mit dem Gedan­ken spielt die Studio-Fotografie aus­zu­pro­bie­ren. Mit dem selbst­ge­bas­tel­ten Equip­ment sind bestimmt sehr gute Ergeb­nisse zu erzie­len, ohne sich gleich in Unkos­ten zu stür­zen.
Dar­auf ach­ten sollte man, dass hand­werk­li­ches Geschick von­nö­ten ist, um das Gros der Pro­jekte zu meis­tern. Zumin­dest Spass an fum­me­li­gen Bas­tel­ar­bei­ten sollte man mitbringen.

Der Preis des Buches von rund 30 Euro ist dafür zumin­dest eben­falls nicht zu viel.
Allen ande­ren, die mit dem Gedan­ken spie­len sich das Buch zuzu­le­gen, soll­ten vor­her in der Buch­hand­lung einen Blick hin­ein­wer­fen, ob es sich lohnt.

Wenn ich das vor­her getan hätte, gäbe es die­sen Blog­bei­trag nicht.